Migrantinnentreff Gülistan
Markt 14
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Projekt „Gesundheitstour“

MigrantInnen und Flüchtlinge sind aufgrund ihrer Migrations- und Fluchterfahrung besonderen körperlichen und psychischen Belastungen ausgesetzt. Auch ihre Lebensbedingungen in Deutschland sind oftmals sehr belastend und begünstigen so das Auftreten von Krankheiten.   Beim Arztbesuch machen sich häufig kultur- und sprachbedingte Barrieren zwischen MigrantInnen und den HeilberuflerInnen bemerkbar, die eine adäquate Behandlung verhindern. Übermedikamentierung, falsche Diagnosen und Behandlungsabbrüche sind nur einige der bekannten Folgeprobleme.  

 

Seitens der MigrantInnen gibt es darüber hinaus einen großen Informationsbedarf hinsichtlich der Strukturen des deutschen Gesundheitssystems. Beratungsstellen und Institutionen im Gesundheitsbereich erreichen kaum die Zuwanderer, sodass diese Angebote ihnen praktisch verschlossen bleiben.  

 

An dieser Situation knüpft das Projekt "Gesundheitstour" an und leistet sowohl bei MigrantInnen als auch bei den lokalen Einrichtungen der Gesundheitsversorgung Aufklärungsarbeit, versucht MigrantInnen an die Regeldienste heranzuführen, sensibilisiert die Regeldienste für spezifische Problemlagen im Migrationsbereich und verbessert so den Zugang von MigrantInnen zum Gesundheitssystem.

 

Das Projekt „Gesundheitstour“ wird durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und der Stadt Bonn gefördert.  Projektzeitraum: 01.08.2006 bis 31.07.2009

 

Ziele


  • Heranführung von ZuwandererInnen an die örtlichen Einrichtungen des Gesundheitsversorgungssystems
  • Senkung der Zugangsschwellen zu Angeboten im Gesundheitsbereich
  • Aktivierung der Selbsthilfepotentiale der Zuwanderinnen durch Verbesserung des Informationsstandes zum Thema Gesundheit
  • Erweiterung der Kompetenzen zum Gesundheitsschutz im Alltag zu erweitern
  • Förderung der interkulturellen Öffnung der Gesundheitsdienste

 

Angebote/Aktivitäten

 

Informationsveranstaltungen

Informationsveranstaltungen zu gesundheitsspezifischen Themen wie Schwangerschaft und Familienplanung, Frauenkrankheiten, Kinderkrankheiten und Vorsorgeuntersuchungen, Sucht, AIDS und psychische Krankheiten, etc. werden entweder in verschiedenen Sprachen durch Einsatz von muttersprachlichen Fachkräften oder mit Übersetzung in mehreren Muttersprachen durchgeführt. Wir erleben, dass die Teilnehmerinnen viele Fragen stellen, die sie schon lange mit sich getragen haben. Informationsveranstaltungen sehen wir gleichzeitig als eine sinnvolle Ergänzung zu einzelnen Beratungsgesprächen und Integrationskursen.

 

Informationsveranstaltung über psychische Krankheiten mit einem türkischsprachigen Psychiater 


Exkursionen

Exkursionen zu den spezifischen Einrichtungen und Institutionen im Gesundheitssystem führen wir in Verbindung mit Integrationskursen als Unterrichtseinheit durch. Da wir selber Integrationskursträger sind, ist die Organisation erleichtert. Um die Exkursionen organisatorisch, inhaltlich und sprachlich vorzubereiten, werden vorher Gespräche mit den Integrationskursleiterinnen und VertreterInnen der Einrichtungen durchgeführt. Es finden u.a. Exkursionen zur Aids-, Schwangerschaft- und Suchtberatungsstelle sowie Fitnessstudios statt.   

Gesundheittour zum Fitnessstudio   Wir informieren uns über pro familia 


Kurs "Bewegung und Entspannung"

Im Rahmen unseres Projektes finden Kurse für „Bewegung und Entspannung“ statt. Ca. 65 Frauen haben bisher daran teilgenommen. Der Kurs wird von einer tschechischen  Ergotherapeutin mit Zusatzausbildungen in Massage, Selbstverteidigung etc. geleitet.

Der Unterrichtsraum wandelt sich in ein Bewegungsraum 

 

 

Kurs "Gesundheitstour Online"

In diesem Kurs findet eine Einführung in die Internetanwendung statt. Gesundheitsrelevante Themen wie z.B. Recherche nach Ärzten, Krankenhäusern, Psychologen, Psychotherapeuten, Krankheiten, Krankenkassen werden behandelt. Darüber hinaus informieren sich die Teilnehmerinnen u.a. über Gesundheitskurse der Krankenkassen und Bildungseinrichtungen.   


Gesprächskreis "Arztbesuch"

Verbesserung der Kommunikation in Arztpraxen: In Deutschland sind die Mediziner hoch qualifiziert und erwarten meistens von ihren PatientInnen eine exakte Beschreibung der Symptome, um die Diagnose zu stellen. Dies ist jedoch nicht in allen Ländern so. Auf die Kommunikation in deutschen Arztpraxen müssen Zuwanderer vorbereitet werden, was im Rahmen der gängigen Curricula von Integrationskursen nicht zu gewährleisten ist. Dabei geht es nicht nur um die Verbesserung der Sprachkenntnisse, sondern auch um den Vergleich von unterschiedlichen Verständnissen, Empfindungen und Verhalten bezüglich  „Krankheit und Gesundheit“ und von unterschiedlichen Symptombeschreibungen. Der Gesprächskreis zu diesem Thema wird im Rahmen des Projektes in sechs Einheiten unter Einsatz von Rollenspielen durchgeführt.

Offener Treff

Das wöchentliche "Offenen Treff" ist ein niederschwelliges Angebot, das den Teilnehmerinnen Gelegenheit gibt, mit unserer Einrichtung und untereinander erste Kontakte zu knüpfen. Der Treff wird mit einem abwechslungsreichen Programm gestaltet. Es werden u. a. folgende Themen durch Einsatz von Filmen, Bildern und gemeinsamer Recherche im Internet behandelt: Gesundheitsverständnis und Volksmedizin in verschiedenen Kulturen, alternative Medizin und gesunde Ernährung.

 

Schwimmkurse 

Bei der Organisation von Schwimmkursen sind wir vielen Hindernissen begegnet. Mit der aktiven Beteiligung von Migrantinnen und nach mehreren Gesprächen mit dem Sport- und Bäderamt und Kommunalpolitikern konnten wir erst nach 10 Monaten Schwimmzeiten nur für Frauen im Viktoriabad durchsetzen. Detaillierte Informationen entnehmen Sie bitte dem Jahresbericht 2007-2008. Unter dem Titel "Nur für die Frau" wird das Viktoriabad freitags von 10 bis 14 Uhr nur von Frauen genutzt. Während des Frauenschwimmens haben wir bisher sieben Schwimmkurse durchgeführt, an denen ca. 70 Frauen teilgenommen haben.

 

Fahrradkurs 

Der Fahrradkurs findet in Kooperation mit der Radstation der Caritas und der Bonner Polizei-Vorbeugungsstelle statt. Ca. 16 Migrantinnen haben bisher an diesem Angebot teilgenommen und das Fahrrad fahren erlernt. 

 


 

 

Wochenendworkshops   

Es wurden bisher insgesamt drei Wochenendworkshops  unter den Titeln "Kränkung muss nicht krank machen ", "Gesundheitstour in die Natur" und "Gesundheitsförderung und Prävention durch Sport" in einem Naturfamilienhaus durchgeführt. Das Ziel der Workshops war die Auseinandersetzung und der Umgang mit belastenden Lebenssituationen, wie z.B. rassistische und sexistische Diskriminierung, Arbeitslosigkeit und  Probleme in der Familie etc., welche die Entstehung von Krankheiten begünstigen. Neben den Gesprächsrunden wurden viele körperbezogene und kreative Übungen durchgeführt, die die Selbsterkenntnis, Selbstbehauptung und Selbstverteidigung der Teilnehmerinnen gestärkt und damit den Umgang mit der Kränkung verbessert haben. Erlebnisse in der Natur wie z.B. Wandern und Lagerfeuer führten zu seelischem und körperlichem Wohlbefinden der Teilnehmerinnen.  Darüber hinaus waren "Gesunde Ernährung", "Stressprävention durch Bewegung und Entspannung" und "Stress als Krankheitsrisiko" weitere Themenschwerpunkte der Workshops.

 

Naturnahes Familienferienhaus Arche Noah Marienberge  Wir lernen uns kennen  Bewegung  Entspannen in der Natur

 

Vernetzungsarbeit 

Gesprächsrunde " Gesundheitsförderung und Prävention durch Sport für Migrantinnen und Migranten":

Im Juni 2008 haben wir die o.g. Gesprächsrunde initiiert, an dem folgende Akteure beteiligt sind: Stabstelle Integration, VHS, Sportausschuss, Stadtsportbund Bonn, Schwimm- und Sportfreunde Bonn e.V., Sozialausschuss, Gesundheitsamt, AOK Rheinland/Hamburg, Bonner Institut für Migrationsforschung und interkulturelles Lernen e.V., AWO und Al Hilal SSV e.V.  Die Gesprächsrunde dient für den Erfahrungsaustausch, der Bestandaufnahme im Bereich Prävention und Sport und der Organisation von Kooperationskursen für MigrantInnen. Darüber hinaus hat die Gesprächsrunde die Förderung des Projektes "ÜLMI" - Ausbildung von Sportübungsleiterinnen mit Migrationshintergrund vorangetrieben. Das Projekt wird im Herbst 2009 starten.

 

Arbeitskreis Migration und Gesundheit des kommunalen Netzwerks Migranet:

Wir haben das Projekt "Gesundheitstour im Arbeitskreis vorgestellt. Es wurde beschlossen, dass das Thema "Gesundheitsförderung und Prävention durch Sport für Migrantinnen und Migranten" von Mitte 2008 bis Mitte 2009 als Schwerpunkt genommen wird.